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Nach der Lektüre von fünf Krimis aus der Feder Camilla Läckbergs kann man dem unumwunden zustimmen. Auch in „Engel aus Eis“ menschelt es wieder sehr, und Ericas und Patricks Privatleben (und das des Chefs Mellbergs im Übrigen auch) nimmt nicht nur wieder, wie gewohnt, viel Raum ein, sondern ist in gewisser Hinsicht selbst Ausgangspunkt der Handlung, denn nur wenige Tage, nachdem Erica die im vorangegangenen Roman gefundene Nazimedaille dem Experten Erik Frankel übergeben hat, wird dieser ermordet. Obwohl Patrick eigentlich im Elternurlaub ist, ist er von Anfang an in die Ermittlungen involviert – das ist vielleicht etwas konstruiert, aber Patricks Schwierigkeiten, sich aus dem Arbeits- und Erwachsenenleben für ein Jahr zurückzuziehen und „nur“ Vater zu sein, sind durchaus realistisch. Hinzu kommt, dass natürlich auch Ericas Neugier geweckt ist, nicht nur durch den Mord, sondern auch durch die Tagebücher ihrer Mutter, die so abrupt enden … So beginnt jeder für sich und beide gemeinsam in dem Fall zu recherchieren. Das Motiv des Mordes liegt in der Vergangenheit begründet, genauer gesagt in den Kriegsjahren 1943-1945, und es stellt sich heraus, dass Ericas Familiengeschichte, im Speziellen die ihrer Mutter, auf engste Weise mit dem Mord verknüpft ist. Daraus ergibt sich eine extrem enge und starke Verbindung des Persönlichen mit dem „Offizialdelikt“ Mord.
Das ist für den – feministisch genannten, manchmal auch zum „Lifestyle-Thriller“ degradierten – skandinavischen Krimi aus weiblicher Feder durchaus typisch zu nennen, denn dieser zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er Perspektive und Lebensumstände von Frauen in den Mittelpunkt rückt (man denke insbesondere auch an Elsebeth Egholm oder Sara Blædel) und die Ursache für Mord und Totschlag häufig mehr in den zwischenmenschlichen Beziehungen begründet liegt, als dies bei den männlichen Repräsentanten der Fall ist, die eher, ebenfalls in skandinavischer Tradition, die Gesellschaft als Ganzes und Allgemeines heranziehen (aber natürlich nicht immer und nicht alle). Oder wie Camilla Läckberg es ausgedrückt hat: Frauen schreiben über weibliche Realität, über weibliche Probleme, mit allem was dazugehört. Das fängt beim Tampon, das aus der Handtasche fällt, an und hört bei Harnwegsinfektionen noch lange nicht auf (vgl.: Quelle). Dabei müssen sich die Frauen – die weiblichen Romanheldinnen ebenso wie ihre Schöpferinnen – stets in einer nach wie vor männlich dominierten Welt behaupten. So ändern sich Schreibperspektive und Fokus der Kriminalromane, die eben – noch mehr – das Private in den Mittelpunkt rücken, es zum Ausgangspunkt ihres Schreibens, Analysierens, Forschens und literarischen Mordens machen.
In „Engel aus Eis“ vermischt sich jedoch das sehr private Mordmotiv mit einem ebenso politisch wie auch privat zu nennenden, sodass sich Läckberg hier auf ihre ganz persönliche, individuelle Weise in die herkömmliche, etablierte skandinavische Krimitradition einreiht. Dabei spielen die familiären und insbesondere die Eltern-Kind-Beziehungen – wie bei bis dato allen Läckberg-Krimis – eine zentrale Rolle und stellen das übergeordnete Thema dar. Ob Patrick, Erica und Maja, Anna, Dan und ihre Patchworkfamilie, die neu ins Team gekommene Paula Morales samt schwangerer Lebensgefährtin Johanna, der frisch verliebte Bertil Mellberg oder der Mord an Erik Frankel und das unterkühlte Verhältnis von Elsy zu ihren späteren Kindern Erica und Anna – das Eltern-Kind-Thema ist der Leitfaden durch „Engel aus Eis“, das die Handlung zusammenhält und ihr hier tiefere Dimensionen verleiht.
Strukturell bleibt sich Camilla Läckberg dabei treu: Auch dieses Mal wechseln Erzähler- und zeitlich verschiedene Perspektiven einander ab, verbinden so das Geschehen von 1943-1945 mit der Gegenwart und ermöglichen der Autorin die Beweggründe der einzelnen Charaktere offen zu legen. Daraus resultiert, wie stets, eine Dynamik, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen, ehe man das Ende kennt. Daneben überzeugt Camilla Läckberg in „Engel aus Eis“ dieses Mal wieder, wie zuletzt in „Der Prediger von Fjällbacka“, mit einer mehrdimensionalen Geschichte und ebenso starken, weil nicht eindeutig gut oder böse zu nennenden, Charakteren wie Erik und sein Bruder Axel sowie ihre Freunde Britta, Elsy und Hans.
Kleine Randnotiz: In „Engel aus Eis“ schreibt der Bibliothekar Christian, der Erica bei ihren Nachforschungen hilft, an einem Roman namens „Sjöjungfrun“ (Die Meerjungfrau). In Schweden erschien im Sommer 2008 just unter diesem Titel bereits Camilla Läckbergs sechster Roman um Erica und Patrick.
Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© September 2010 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
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In ihrem zweiten Krimi spürt Camilla Läckberg
den seelischen Abgründen einer freikirchlich-religiösen Familie
nach und zeigt eindringlich, wie aus Glaube, Liebe und Hoffnung Irrglaube
und Verzweiflung erwachsen kann.
Mitten in der Urlaubssaison wird im Badeort Fjällbacka eine deutsche
Urlauberin tot aufgefunden. In ihrer Nähe tauchen die Skelette
zweier vor Jahrzehnten verschwundener Frauen auf. Alle drei Skelette
weisen Spuren von Folter auf, und zum Entsetzen der Tourismusindustrie
wird kurz darauf eine weitere Frau entführt. In ihrem zweiten Fall
kämpfen Erica Falck und Patrik Hedström mit sommerlicher Hitze
und religiösem Fanatismus. Die hochschwangere Schriftstellerin
und der Kommissar, mit dem sie inzwischen zusammenlebt, ermitteln unter
Hochdruck. In ihr Visier rückt schon bald die zerrüttete Familie
des freikirchlichen Predigers Ephraim Hult, dessen Söhne Johannes
und Gabriel in der Vergangenheit blutige Schuld auf sich geladen haben.
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Der Kontrast zwischen der hochsommerlichen Idylle Fjällbackas und den seelischen Abgründen sowie familiären Zerrüttungen, denen Patrik und sein Ermittlerteam peu à peu auf die Spur kommen, könnte größer kaum sein und wird von Camilla Läckberg souverän bis aufs Äußerste ausgereizt. Dabei wechselt die Autorin immer wieder die Perspektive, wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit, wechselt wieder in die Gegenwart, gewährt uns Einblick in das Gefühlsleben von Patrik und Erica ebenso wie in das der verschiedenen Familienmitglieder der Hults und schließlich des entführten Mädchens. Herausgekommen ist dabei nicht nur ein höchst spannender Polizeiroman, sondern auch ein kluges Buch über Menschen, ihre Sünden und Verfehlungen, ihre Lieben und Hoffnungen, über ihre Irrwege und ihren Irrglauben. Die Charaktere sind stark und eindringlich gelungen, seelische Verletzungen und ihre Folgen glaubhaft skizziert, die Morde schließlich ein Resultat fehlgeleiteten Glaubens und irrwitziger Gottes-, Menschen- und Vaterliebe entsprungen. Kurz: Ein Buch über Menschen, deren Schicksale bewegen, mit einem Ende, das nicht anders als tragisch zu nennen ist und ein Krimi, den man nicht mehr aus der Hand legen mag, bis die letzte Seite erreicht ist.
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Erica Falck ist Ende 30 und Schriftstellerin. Momentan arbeitet sie mehr schlecht als recht an einer Biographie über Selma Lagerlöf. Aus Stockholm in die heimatliche Provinz Fjällbacka zurückgekehrt, muss sich Erica um den Nachlass ihrer erst kürzlich gestorbenen Eltern kümmern, während ihre Schwester auf den schnellen Verkauf des Hauses dringt. Dann wird auch noch Ericas ehemals beste Freundin Alexandra ermordet. Aufgefordert von Alex' Eltern, einen Nachruf zu schreiben, beginnt Ericas Recherche über Alex' Vergangenheit. Fjällbacka gibt sich dabei als idyllisches Städtchen an Schwedens Westküste, das im Sommer touristisch-maritimes Flair versprüht, während es im Winter in den Dornröschenschlaf zu versinken scheint. Doch die Idylle erweist sich als trügerisch. Unter der scheinbar konfliktfreien Oberfläche brodelt es gewaltig. Der Mord an Ericas Schulfreundin Alexandra dient dabei nur als äußerer Anlass, um hinter die Fassade der auf Gedeih und Verderben aufeinander angewiesen bzw. einander ausgelieferten Dorfgemeinschaft zu blicken. Bald kommt Erica und dem Polizisten Patrik, den sie noch aus Schulzeiten kennt und mit dem sie bald mehr verbindet, ein schrecklicher Verdacht: Hat der Mord an Alexandra etwas mit dem mysteriösen Verschwinden des jungen Lehrers Nils Lorentz von vor 25 Jahren zu tun? Was steckt außerdem hinter dem überstürzten Umzug Alexandras damals im Frühjahr 1977? Und weshalb hat sich ihre Freundin in den Monaten zuvor immer mehr von ihr zurückgezogen? Die Ermittlungen bringen die mühevoll aufrecht erhaltene Ordnung Fjällbackas gehörig ins Wanken, alte Geheimbünde werden auf die Probe gestellt. Am Ende: viele Verlierer, ein wenig Hoffnung und genau die richtige Mischung aus gutem Krimiplot und typisch skandinavischem Kommentar zur Gegenwart.
Vielen Dank an Alexandra Hagenguth| ©
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